Tinnitus – Das Summen im Ohr

Ein Tinnitus ist oftmals nur ein Symptom mit unterschiedlichen Ursachen. Wer den Tinnitus loswerden will oder kompensieren möchte muss auch an der Ursache arbeiten. Alles was Sie zum Leben mit einem Tinnitus wissen müssen.

Piepen, Pfeifen, Knacken, Rauschen, Summen, Brummen oder Klingeln – jeder Vierte hat solche Geräusche schon einmal wahrgenommen, glücklicherweise meist nur vorübergehend. Dabei ist Tinnitus keine Krankheit, sondern ein Symptom, ähnlich wie Fieber oder Schmerz. Es gibt unterschiedliche Auslöser für die Ohrgeräusche. Deshalb ist es wichtig, zunächst die Ursache durch den HNO-Arzt abklären zu lassen, um zugrunde liegende Krankheiten ausschließen zu können. In 80 % der Fälle verschwinden die Ohrgeräusche wieder vollständig. Aber auch, wenn der Tinnitus bleibt, gibt es Hilfe.

Tritt ein Tinnitus plötzlich und in Verbindung mit Verlust des Gehörs auf sollten Sie Ihren HNO-Arzt aufsuchen. Ein Hörsturz, auch „Ohrinfarkt“ genannt, tritt meist einseitig auf. Es handelt sich um keinen Notfall, dennoch sollten Sie die Symptome ernst nehmen. Man geht davon aus, dass ein Hörsturz in den meisten Fällen durch Stress ausgelöst wird, deshalb ist Ruhe bewahren und Stress reduzieren immer der richtige Ansatz. Ihr HNO-Arzt kann die Behandlung zur Linderung der Symptome auch medizinisch unterstützen.

Häufige Irrtümer über Tinnitus

Irrtum 1
Tinnitus ist eine Durchblutungsstörung. Tatsächlich sind Durchblutungsstörungen als Ursache für Tinnitus äußerst selten. Durchblutungsfördernde Infusionen oder Tabletten haben meist keinen Effekt auf die Ohrgeräusche.
Irrtum 2
Eine Ernährungsumstellung kann Tinnitus beseitigen. Es gibt keine spezielle Tinnitus-Diät oder bestimmte Lebensmittel, die Tinnitus zum Verschwinden bringen. Aber natürlich trägt eine ausgewogene und gesunde Ernährung immer zum allgemeinen Wohlbefinden bei.
Irrtum 3
Tinnitus kann man nicht heilen. Stimmt zum Glück nicht. Einige Tinnitusformen können geheilt werden, indem die Erkrankung, die die Ursache des Tinnitus ist, erfolgreich behandelt wird. Heilung bedeutet hier, dass das Ohrgeräusch verschwindet. Aber auch, wenn sich keine eindeutige Ursache feststellen lässt, kann der Tinnitus durch gezielte Beeinflussung der Filterfunktionen des Gehirns wieder in den Hintergrund treten.
Irrtum 4
Tinnitus schädigt das Gehör. Tinnitus verursacht keine Hörschäden. Sehr häufig ist es jedoch umgekehrt und dem Tinnitus liegt eine Hörschädigung, z. B. durch Lärm, zugrunde

Was tun bei Tinnitus?

Viele Betroffene von Ohrgeräuschen fragen sich: „Was hilft bei Tinnitus?“ und „Ist Tinnitus heilbar?“. Kein Tinnitus ist wie der andere. Er variiert nach Art des Geräuschs, seiner Frequenz und Lautstärke. Er tritt ständig oder nur in bestimmten Situationen auf. Wie sehr man unter den Ohrgeräuschen leidet, lässt sich jedoch an keinem dieser Tinnitus-Merkmale ablesen. Manche Menschen leiden beispielsweise unter einem eher lauten Ohrgeräusch, andere unter einem eher leisen. Um den Betroffenen besser gerecht zu werden, bestimmt man deshalb den Schweregrad des Tinnitus danach, wie er sich unmittelbar auswirkt. 

Grad I und II bezeichnet man als kompensierten Tinnitus. Hier ist das Ohrgeräusch hörbar, kann aber weitgehend integriert werden. Es besteht kein oder nur ein geringer Leidensdruck. 

Bei Grad III und IV spricht man von einem dekompensierten Tinnitus. Das Ohrgeräusch wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus, es treten Begleitsymptome auf und der Leidensdruck ist oft erheblich.

Je nach Art des Tinnitus kann man den Betroffenen nicht vom Ohrgeräusch heilen, sondern oft nur die Symptome lindern. Zur Linderung können beispielsweise spezielle Tinnitus Apps auf dem Smartphone benutzt werden oder ein speziell eingestelltes und abgestimmtes Hörgerät. Welches Hörgerät das Beste ist, um Ihren Tinnitus zu lindern hängt vom individuellen Fall ab. Sprechen Sie uns an, wir beraten Sie! 

Schnelle erste Hilfe kann auch eine der besten Tinnitus-Apps, wie ReSound Tinnitus Relief (kostenlos) oder Tinnitracks (kostenpflichtig, „auf Rezept“) bieten.

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Subjektiver Tinnitus

Man nimmt Geräusche wahr, die sich nicht auf eine Schallquelle zurückführen lassen. Obwohl für andere nicht hörbar, entspringen solche Geräusche aber nicht der Einbildung. Vielmehr liegt die Wahrnehmung der Töne an einer fehlerhaften Hörverarbeitung im Gehirn. Mit 99 % ist diese Form des Tinnitus die weitaus häufigste.

Objektiver Tinnitus

Man hört Geräusche, deren Ursache eine körpereigene Schallquelle im Ohr oder in Ohrnähe ist, sogenannte „Body-Sounds“. Solche Geräusche kann ein Arzt mit einem Stethoskop oder einem Hörschlauch auch von außen hören. Der objektive Tinnitus ist eine sehr selten auftretende Form des Tinnitus.

Mögliche Ursachen für Tinnitus

Beim seltenen objektiven Tinnitus ist die Ursache des Tinnitus eine Erkrankung, wie z. B. eine Gefäßverengung, die eine Schallquelle im Körper bildet. Mit der Behandlung der Ursache verschwindet meist auch das Ohrgeräusch. In 99 % der Fälle liegt ein subjektiver Tinnitus vor. Hier steht am Anfang des Tinnitus oft eine Hörschädigung, z. B. durch Lärm oder einen Hörsturz. Hierdurch werden die Haarsinneszellen im Innenohr geschädigt, die den Schall in elektrische Impulse umwandeln und über den Hörnerv an das Gehirn weiterleiten. Fällt der akustische Input teilweise weg, gerät das sensible Zusammenspiel von Hemmung und Entladung der Nervenzellen im Gehirn aus dem Gleichgewicht. Einige Hirnareale reagieren mit Überaktivität. So entsteht ein lästiger Ton ohne äußere Tonquelle.

Wissenschaftler vergleichen dies mit Phantomwahrnehmungen nach einer Amputation. Kommen aus dem fehlenden Körperteil keine Sinnesreize mehr an, produziert das Gehirn sie manchmal schlicht selbst. In welchem Maße ein Ohrgeräusch als störend oder bedrohlich erlebt wird, hängt auch davon ab, wie es in den limbischen Hirnregionen eingeordnet wird. Das limbische System ist für die emotionale Bewertung unserer Sinneseindrücke verantwortlich. Das Geräusch eines knisternden Feuers wird im heimischen Kamin als beruhigend und angenehm empfunden, während das gleiche Geräusch im Wald eher Unbehagen, Angst und Stress erzeugt. In einigen Fällen wertet unser Gehirn dann eine eigentlich kleine Störung im auditorischen System irrtümlicherweise als höchst wichtig und gefährlich. So tritt das Tinnitusgeräusch unangemessen in den Vordergrund. Das kann dann fälschlicherweise Reaktionen wie Angst und Stress auslösen, was wiederum die negative Wertung des Tinnitustons verstärkt.

Tinnitus und Hörverlust

Nach aktuellem Forschungsstand ist Tinnitus in den meisten Fällen eine Reaktion des Gehirns auf lückenhaften akustischen Input. Sehr oft liegt dem quälenden Ton eine Hörschädigung zugrunde. Durch eine Versorgung mit Hörsystemen treten in vielen Fällen die Ohrgeräusche in den Hintergrund, weil die Hörschädigung, die den Tinnitus ausgelöst hat, kompensiert wird. Das Gehirn wird wieder mit vollständigen Höreindrücken versorgt und der Tinnitus kann nicht mehr so viel Raum einnehmen. Er ist in die vielfältigen Alltagsgeräusche eingebunden. So werden gleich zwei Probleme auf einmal gelöst. Denn vielen gelingt es mit der Kompensation der Hörstörung auch den Tinnitus zu überhören.

Zusätzlich gibt es Hörsysteme, die speziell auf die Bedürfnisse von Tinnitus-Betroffenen ausgerichtet sind, z. B. Hörsysteme mit integriertem Tinnitus Noiser oder speziellen ZEN-Klängen. Ziel der Noiser Funktion und der ZEN-Klänge ist die Ablenkung vom eigentlichen Tinnitusgeräusches und soll zur Entspannung beim Hörsystemträger und Betroffenen von Tinnitus beitragen.

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